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Januar 2012
Gottverlassenes Lorca
In der südspanischen Stadt Lorca bebte am 11. Mai 2011 zwei Mal die Erde. Es war ein Wunder, dass nur 9 Menschen starben. Das Beben geschah am späten Nachmittag als die ausgedehnte Siesta gerade beendet war und die Leute wieder auf den Beinen.
Allerdings hat Lorcas historische Altstadt mit ihrer mittelalterlichen Festung und den barocken Kirchen aus dem 16. Jahrhundert schwer gelitten. Die Schäden an Lorcas kulturellem Erbe werden mit dem folgenreichen Beben im berühmten italienischen Assisi verglichen als die dortige Kirche San Francesco 1997 stark zerstört wurde. Etwa 6 Milliarden Euro sind nötig, um die Stadt wieder in ihren alten Zustand zu versetzen.
Die Lorquiner sind passionierte Christen und pflegen ihre holzgeschnitzten Heiligenfiguren aus den Kirchen San Mateo, Santiago oder San Francisco wie ihre eigenen Kinder. Als das Beben die goldenen Altäre aus den Fugen hob und Dächer der Kirchen einstürzten und sogar eine Glocke aus dem Kirchturm zu Boden raste, eilten die Lorquiner unter Einsatz ihres Lebens in die Gotteshäuser. Sie zerrten die jahrhundertealten lebensgroßen Figuren aus dem Schutt. Denen durfte nichts passieren!
Habe mit Lorquinern über Gott, die Welt und das spanische Lebensgefühl der Alegria gesprochen. Alegria lässt sich vielleicht am besten mit Lebenslust übersetzen. Nach Wirtschaftskrise, Erdbeben und wegen des Weltungergangsjahres 2012 ist die Alegira in Gefahr. Eine Stadt sucht ihre Freude wieder.
Der Beitrag soll idealerweise ins Radio-Feuilleton.
Erdbebengraffiti in Lorca
März 2011
Global Sport Forum in Barcelona
Die Stadt Barcelona wirbt mit diversen Sportgrößen und Marektingstrategen in eigener Sache. Es geht um den Standort der Stadt als Ausrichter der Schwimmweltmeisterschaften 2013. Wenn ein solcher internationaler Kongress in Barcelona stattfindet, darf das katalonische Vorzeigemodell eines Fußballvereins FC Barcelona nicht fehlen. Als Sprecher haben die Organisatoren des GFS Sandro Rosell, den neuen FCB-Präsidenten, gewinnen können. Ich will ihm einige Fragen zu den Details des neuen Sponsoringvertrages mit der Qatar Foundation stellen. Einen Bericht für Suite101 habe ich dazu Anfang März bereits veröffentlicht. Der Text wurde von der Redaktion ausgezeichnet und erstürmte die Google-Charts. Hier lässt sich das ganze NACHLESEN.
Bei meinem Besuch in Barcelona will ich auch das Thema “Selbstvermarktung von Sportstars” anpacken. Ob FCB-Spieler wie Gerard Pique oder Puyol oder Athleten wie Lance Armstrong und Michael Phelps – immer mehr Sportler präsentieren sich auf eigene Faust per Facebook oder Twitter im Internet. Die digitalen Sportler sind sich der Dimension der sozialen Netzwerke vielleicht noch gar nicht recht bewusst.
Februar 2011
Spanien: Merkel lockt junge Spanier auf deutschen Arbeitsmarkt
Die deutsche Bundeskanzlerin wirbt derzeit heftig um junge Arbeitskräfte aus Spanien, die in Deutschland den Mindestlohn untergraben wollen. Anders ist nicht zu erklären, warum trotz anhaltender Arbeitslosigkeit in Deutschland Lohnarbeiter aus anderen Ländern angelockt werden sollen. Oder handelt es sich um ein Hilfspaket besonderer Art. Immerhin hatte sich ja Spanien noch nicht unter den Rettungsschirm begeben und will aus eigener Kraft aus dem Krisensumpf.
Die ersten Mitverdiener des neuen grenzübergreifenden “EURO-ABM”-Pakts sind schon am Rudern. Im andalusischen Roquetas del Mar wirbt die Agentur Medicall Group um auswanderungswillige spanische Arbeiter zwischen 17 und 21 Jahren für den Einsatz in Rostock. Bereits im Januar 2011 seien in der Agentur Tausende von Bewerbungsanträgen eingesendet worden. 30 bis 40 Anträge wurden bereits bewilligt – gesucht werden 500 Angestellte. Viele der künftigen Lohnsklaven werden in den Bereichen Gastronomie, Gesundheit, Bildung und Tourismus eingesetzt und müssen über ein “gutes Deutsch” verfügen. Die erfolgreichen Bewerber bekommen an der Rostocker Schule HWBR Sprachunterricht und absolvieren eine dreijährige Ausbildung. Dafür erhalten sie 375 Euro im Monat, Mietkosten zahlt der Staat. Der Stundenlohn in Andalusien für ähnliche Jobs und Hilfsarbeiten beträgt zwischen 3 und 5 Euro. Dagegen wirkt das deutsche Arbeitsbeschaffungsprogramm vielversprechend. Denn den Absolventen werden Festanstellungen in Hotels in europäischen Hauptstädten in Aussicht gestellt.
Doch der andalusischen Provinzregierung kommt das deutsche Angebot “spanisch” vor: Arbeitsministerin Francisca Perez vermutet betrügerische Absichten der Firma, denn die Bewerber mussten für ihre Bewerbung gleich einmal 300 Euro Kursgebühren für den Informationstag löhnen. Für arbeitslose Spanier sind das eine Menge Euro. “Das ist die gleiche Masche, die bei E-Mail Scams im Internet verwendet wird”, sagt Perez und schickt Medicall nun die Ermittler auf den Hals.
Aber auch Spanier mit höherem Bildungsniveau werden derzeit von der deutschen Regierung umworben. Im Februar 2011 wurde in der deutschen Botschaft in Madrid eine entsprechende Vereinbarung zwischen Kanzlerin Merkel und Premier Zapatero getroffen.
Nach Angaben der Arbeitsvermittlerbörse ADECCO haben sich in den letzten 18 Monaten bereits 132.000 kinderlose Spanier zwischen 25 und 35 Jahren gen Nordeuropa aufgemacht. Spaniens entvölkerten Dörfern und bäuerlichen Lebenskultur droht damit das endgültige KO. 80 Prozent der Dorfbewohner ist jenseits der 60 Jahre. Die Jungen wandern in die Städte ab oder nun nach Deutschland.
Mein Artikel zum Thema nachlesbar bei
Frühjahr 2010
Die Bomben von Palomares – Umweltschützer fordern: Radioaktiv verseuchte Küstenregion in Südspanien soll nach 44 Jahren endlich dekontaminiert werden – USA fühlen sich nicht verantwortlich – Bauboom und Tourismus in Region übt Druck auf Behörden aus
Hintergrund:
Vor 44 Jahren kreiste über dem andalusischen Fischerdorf Palomares ein amerikanisches Militärflugzeug mit vier Wasserstoffbomben an Bord. Das Flugzeug sollte in der Luft aufgetankt werden. Doch das Manöver ging schief und das Flugzeug stürzte mitsamt den Nuklearwaffen ab und zerschellte am Boden. Zwei Bomben verloren beim Aufprall radioaktives Plutonium und Americium, das kilometerweit in der Hügellandschaft verstreut wurde. Eine Bombe fiel ins Meer und wurde erst 80 Tage später aus 760 Meter Tiefe geborgen, eine weitere landete weich in einem Flußbett. Es ist damals zum Glück für ganz Westeuropa nicht zu einer Explosion gekommen, sondern “nur” zu einer radioaktiven Verseuchung.
Das Fischerdorf Palomares ging in die Geschichte als Schauplatz des bislang größten Unfalls mit Atomwaffen ein. Erstaunlich: es wurde nie evakuiert. Bis heute leben Menschen dort, gründen Familien und betreiben Landwirtschaft und Fischerei. Die Bewohner werden allerdings seit 1966 2 x jährlich medizinisch untersucht. Die Regierung zahlt den Bauern aus Palomares eine Fahrt im Taxi nach Madrid, eine Nacht im Hotel und ein Essen. Die Dorfbewohner fühlen sich wie Versuchskaninchen.
Neue Messungen zeigen neues Ausmaß der Verstrahlung.
Der Unfall mit den Nuklearwaffen wurde jahrelang als Militärgeheimnis behandelt und die Ergebnisse der Gesundheitschecks an der Bevölkerung, die Bodenproben und das Ausmaß der radioaktiven Belastung nie öffentlich bekannt gegeben. Jetzt hat die spanische Behörde CIEMAT eine, neue, gründlichere Untersuchung mit besseren Messtechniken des Gebietes abgeschlossen. Die Folge: die Gegend ist weit mehr belastet als bisher angenommen. Immer wieder tauchen neue beängstigende Werte auf und neue Bereiche müssen gesperrt werden. Zuletzt wurden radioaktive Schnecken eingesammelt. Fische aus der Gegend um Garrucha und Palomares fressen radioaktiv belastetes Plankton.
Es soll nun schleunigst eine großangelegte Dekontamination erfolgen. Bislang wurden kontaminierte Flächen einfach eingezäunt und nicht angerührt. Der Wind verweht mit radioaktiven Partikeln versetzten Staub entlang der Küste. Bauvorhaben könnten noch mehr Staub aufwirbeln.
Bauboom wirbelt radioaktiven Staub auf
Heute ziehen immer mehr Menschen in die Küstenregion zwischen Vera und Alguilas. Tourismus und Immobilienspekulation boomen. Überall entstehen neue Siedlungen für Sonnensucher aus dem Norden Europas. Briten, Belgier, Deutsche und Niederländer kaufen Ferienhäuser oder Apartments. Viele wissen nicht um die nukleare Verseuchung. Und die, welche es wissen, verschließen lieber die Augen verschließen und hoffen, dass ihre Pensionszeit die Halbwertzeit überdauert.
Verhandlungen mit USA ohne Ergebnis
1966 ließ das US-Militär in einer großangelegten Bergungsaktion nach Alarmplan “Broken Arrow” das Gebiet sperren, 1400 Tonnen Erde abtragen und in die uSA verschiffen.
Heute fühlen sich die Amerikaner für den Abtransport des verstrahlten Bodens nicht mehr verantwortlich. Die Angelegenheit wird als “spanisches Problem” abgetan. Umweltschützer werfen der spanischen Regierung unter Zapatero vor, zu passiv gegenüber den Amerikanern zu sein. Auch das letzte Treffen der spanischen Regierung mit dem US-Vizepräsidenten Joe Biden vom 8. Mai 2010 verlief in Sachen Palomares ergebnislos
Für die spanischen Umweltschützer von Ecologistas en Acción ist das ein Skandal, den die jetzt an die große Glocke hängen wollen. Ökologe Igor Parra droht, in Madrid vor dem Parlamentsgebäude einen Hungerstreik zu beginnen, wenn nicht bald mit der 25 Mio Euro teuren Dekontaminierung begonnen wird.
Interviews:
- Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Cueva del Almanzora
- Bewohner des am stärksten radioaktiv verseuchten Gebietes (hinterm Haus und Olivenhain wurde Bombe 2 gefunden. Im Garten steht ein Messgerät, das Strahlung in Luft und Boden misst. Wöchentlich wird abgelesen. Familie muss seit Generationen zu regelmäßigen medizinischen Untersuchungen nach Madrid – fühlen sich wie Versuchskaninchen. Fahrt im Taxi mit Hotel in Madrid wird von Amerikanern bezahlt.
- Aktivisten der einzigen spanischen Umweltorganisation Ecologistas en Acción
- Neue Siedler aus England und Belgien, die in der Gegend billig Ferienhäuser gekauft haben und auf den Supergau warten
Bilder:
- Fotos der “radioaktivsten Familie Spaniens” (ein Titel, den die EL PAÍS den Bauern gab, die neben einer Bombenfundstelle wohnen und dort seit 44 Jahren Landwirtschaft betreiben)
- Historische fotografische Aufnahmen von 1966 während der ersten Reinigungsaktion der Amerikaner
- Karten und Grafiken
- O-Töne mit Interviewpartnern für evtl. weitere online Verarbeitung (Audio)
Thema Palomares in den Medien
In Deutschland zuletzt Stuttgarter Zeitung 2005 und Spiegel mit größerer Reportage 1986! In Spanien gab es im letzten Jahr eine interessante Film-Dolumentation mit dem Titel Flecha Rota – Broken Arrow dazu.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13517235.html
El Clásico - Der Kampf der Titanen um die spanische Fußballmeisterschaft.
Wenn der FC Barcelona und Real Madrid aufeinandertreffen, stehen in Spanien die Uhren still. Denn die Begegnung der beiden größten Fußballklubs des Königreiches ist nicht nur eine sportliche, sondern auch eine politische, vor allem aber eine kulturspezifische. Die nach Autonomie strebenden Katalanen verfolgen mit ihrem seit zwei Jahren erfolgreich gespielten Zauberfußball die Strategie der langen Rache gegen den Klub aus der Haupstadt, dessen größenwahnsinnger Einkaufswahn und Selbstherrlichkeit den sportlichen Ansprüchen nicht mehr zu genügen scheint. Nach einer peinlicher Saison mit Trainerrauswürfen und Machtrangeleien in der Vereinsführung sollte das Jahr 2009-2010 unbedingt ein erfolgreiches werden. Vor dem Hintergrund eines von der Rezession schwer getroffenen Spaniens, nimmt sich König Fußball wichtiger aus als der wahre König. Die Leute wollen Unterhaltung und lesen jeden Tag ihre Sportzeitungen Marca und El Mundo Deportivo, deren Redakteure jeweils “ihrem Klub” die Treue halten. Marca aus Madrid feuert gegen Barcelona und die Katalanenfreundliche Zeitung El Mundo Deportivo gegen die Madridistas. Das entscheidende Duell der beiden Vereine also findet vor allem gegeneinander statt. Am 11. April muss der FC Barcelona (Champion von 2009 in allen Spielklassen) ins Bernabeu nach Madrid und wird dieses Spiel ernster als die Champions League und die Meisterschaft nehmen.
Herbst 2010
Kanadas indische Bauern
Reportage über die Cranberry-Ernte im Fraser-Delta
…Knietief stehen bärtige Männer in den Sümpfen der gefluteten Cranberryfelder. Das Wasser soll helfen, die oben schwimmenden Beeren zusammenzuhalten. Es ist bitterkalt. Die Beerenlese erfolgt im Herbst, wenn es kalt und regnerisch ist in Vancouver.
Die meisten der hier arbeitenden Farmarbeiter stammen aus dem Gebiet des Punjab und gehören der Sikh-Religion an. Sie tragen lange weiße Bärte, einen Turban und den Punjabi, einen pyjamaartigen Baumwollanzug und wirken fremd und exotisch in Kanada. Ihre nach Kanada ausgewanderten Kinder waren es, die per Arbeitsvisa ihre Väter und Mütter aus Indien oder Pakistan nachgeholt haben. Nun arbeiten die alten Männer im kalten Kanada in knochenharten Jobs, die der durchschnittliche Kanadier lieber nicht antreten will. Farmarbeit wie Beerenlese, Kirschernte oder Weinlese gelten als schlecht bezahlt und werden vorwiegend von Immigranten aus Mexiko oder Indien ausgeführt. Die alten Sikh-Männer wollen hier ihre Rente verdienen, obwohl schon viele jenseits des Rentenalters sind.
Ein spannendes Video der Stadtverwaltung Vancouver zur Arbeit der indischen Großväter auf den Feldern ihrer Kinder.

Hi Luise, wir mögen cranberry und wußten garnicht wie schwer die Ernte ist. Jetzt werden wir diese noch mehr genießen. Wir können das über skype diskutieren. Anfage läuft.
Fischi&Felipe&Schaf
Von: Fischi am 28. Oktober 2011
um 9:54 nachmittags