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Aus für den kanadischen Penny

Seit Anfang Februar 2013 wird die kleinste kanadische Münze, das 1-Cent-Stück, offiziell für abgeschafft erklärt. Weil das Metall mehr Wert ist als der Geldwert (Inflation lässt grüßen), hat das königliche Münzamt in Ottawa entschieden, die Pennies einzusammeln und einzuschmelzen. Seit dem 4. Februar 2013 wird kein Penny mehr gepresst.

In Vancouver nimmt man das mit Schulterzucken hin, denn in der teuersten Stadt Nordamerikas kann man für einen Penny nicht mal mehr ein Lächeln erwarten. Die Preisspirale dreht sich hier immer schneller und weiter in die Höhe. Ein Parkplatz in Downtown kostet 60.000 Dollar – kann man kaufen und vermieten…Das Schlimme ist, die Leute machen das auch. Es gibt sogar Spekulanten für die extrem beliebten Bootsliegeplätze – das nennt sich dann Moorage-Broker.

Hier gehts zu meinem Artikel, nachlesbar in DIE WELT

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Rund 750 Dollar hat die Kleingeldsammlung von Andy Lee eingebracht. Allerdings hat sich die Bank 8 % Gebühren für den Umtausch der Münzen in Scheine eingesackt.
Rund 750 Dollar hat die Kleingeldsammlung von Andy Lee eingebracht. Allerdings hat sich die Bank 8 % Gebühren für den Umtausch der Münzen in Scheine eingesackt.

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Vancouver im Olympiastau


Die Metropole an der kanadischen Westküste liegt mit den Vorbereitungen für die Winterolympiade 2010 in den letzten Zügen. Kopfzerbrechen bereiten jedoch Probleme wie Infrastruktur, Müllentsorgung und die antiquierten Alkoholgesetze der Provinz British Columbia.

  • Problem Nr. 1:  Infrastruktur

Bereits jetzt sind die Straßen der zwei Millionen-Stadt während des Berufsverkehrs hoffnungslos verstopft. Nur zwei Brücken – die Lions Gate Bridge und die Ironworkers Memorial Bridge – verbinden die Stadtteile North- und West Vancouver mit Downtown und dem Rest der Stadt. Der dreispurige Verkehr auf der Lions Gate Bridge wird durch ein kompliziertes Ampelsystem gesteuert, das zwei Spuren für die jeweils durch höheres Verkehrsaufkommen beanspruchte Straße freigibt. Hier fürchten Anwohner, dass die Brücke während der Olympiade völlig überlastet ist und für den privaten Autoverkehr gesperrt wird. Die Organisatoren setzen darauf, dass sich der Autoverkehr um 30 Prozent reduzieren lässt, damit es an Engpässen wie in Downtown oder den Brücken nicht zum Verkehrschaos kommt. Deshalb werden auf allein acht Straßen in der Innenstadt extra Busspuren für die Olympiade eingerichtet.

  • Problem Nr. 2: Müllentsorgung

Vancouver produziert jährlich etwa 3 bis 4 Millionen Tonnen  Müll, der in den nahe gelegenen Bergen bei Cache Creek und in Delta in so genannten Landfills, ausgeschachteten Gruben, verklappt wird. Im Jahr 2010 ist die Aufnahmekapazität der Müllgrube bei Cache Creek ausgeschöpft. Sprich: es passt nichts mehr hinein.  Neuesten Plänen zufolge sollen dann 600.000 Tonnen Müll per LKW in die USA gekurvt und in den benachbarten Bundesstaaten Oregon oder Washington entsorgt werden. In diesem Sommer wird nun über einen neuen Waste Management Plan der Stadt abgestimmt, der künftig die Abfallprobleme der wachsenden Stadt regeln soll. Bis heute gibt es keine moderne Müllverbrennungsanlage. Andererseits stößt der geplante Bau von sechs Verbrennungsanlagen bereits jetzt bei Umweltschützern auf Kritik. Die Anlagen seien teuer, umweltschädlich und würden nicht dazu beitragen, die Abfallberge zu reduzieren. Im Gegenteil: die Anlagen könnten zu noch höherer Müllproduktion führen. Vancouvers Umweltaktivistin Helen Spiegelman klärt in ihrem Blog zu diesem Thema auf.

Kitsilano, Vancouver. Obdachloser sucht im Müllcontainer nach Lebensmitteln

Vancouvers  Stadtväter planen nun die Einführung eines mechanisch-biologischen Abfallverfahrens, das die Müllberge reduzieren soll. Desweiteren soll die Recycling Rate, die bei derzeit 55 Prozent liegt, auf 70 Prozent bis zum Jahr 2015 angehoben werden. Deutschland gilt übrigens international als  Recyclingweltmeister: 88 Prozent des Papiers, 87 Prozent des Glases, 72 Prozent des Metalls und 67 Prozent der Kunststoffe werden heute in Deutschland wiederverwendet.

Die kanadischen Ureinwohner kritisieren die Praxis der Müllentsorgung in ihrem Gebiet in Cache Creek scharf. Die Umwelt werde zerstört und das Land auf immer verseucht.

  • Problem Nr. 3: Alkoholgesetze

Die strikten Alkoholgesetze der Provinz British Columbiakönnten zum Problem für Besucher der olympischen Spiele werden. Alkohol darf in BC nur an Menschen über 19 Jahre ausgeschenkt werden – für den Kauf in den gesetzlich zugelassenen Geschäften mit so genannter Liquor License ist eine  Photo-ID erforderlich. Auch in Bars und Restaurants kann ein Ausweis mit Lichtbild verlangt werden.

Die Stadt plant, die strengen Alkoholverbote für die Dauer der Olympiade (12. bis 28. Februar 2010) zu lockern und das Trinken in der Öffentlichkeit zu erlauben. Bislang müssen Vancouverianer Geldstrafen der Polizei fürchten, wenn sie außerhalb von Pubs oder Restaurants Bier trinken. Die Gastronomen müssen mit einem Entzug ihrer Ausschanklizenz rechnen, wenn sich trinkende Gäste nicht im eingezäunten Trinkbereich aufhalten.

Biertrinken macht keinen Spass in Vancouver

Bei größeren Volksfesten wie den an der Westküste beliebten Musikfestivals werden deshalb ausgewiesene Trinkbereiche eingezäunt und als „Biergärten“  deklariert. Auch hier gilt: nie ausserhalb des Zaunes trinken. Wer eine angebrochene Wein- oder Bierflasche im Auto mitführt, muss ebenfalls Strafe zahlen. Gastwirte müssen angebrochene Flaschen versiegeln, wenn ihre Gäste die Flasche mit nach Hause nehmen wollen.

Verbotsschild im Pacific Spirit Park Vancouver

Alkohol ist in British Columbia sündhaft teuer. Für eine 750 ml Flasche italienischen oder spanischen Tischweines muss ab 10 Dollar (6 Euro) gezahlt werden, noch teurer sind kanadische Weine (ab 12 bis 120 Dollar). Ein Glas Bier im Restaurant kostet zwischen 4,50 und 8 Dollar, günstiger sind Pitcher, große Bierkrüge, die bis zu 2 Liter fassen und etwa 12 bis 18 Dollar kosten. Vorsicht bei den süß-klebrigen Biersorten wie Honey Lager oder Pale Ale! Hier bereiten nicht nur der Preis, sondern auch der Genuss erhebliche Kopfschmerzen.

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Korruption und Destruktion: Briten in Spanien fürchten Rauswurf

Spanischer Bürgermeister erfindet ein Dorf

Mein Artikel vom 27. März 2009 bei Suite101.de behandelt das Thema Korruption und Destruktion in Spanien. Das Thema beschäftigt derzeit vor allem die in Spanien lebenden Briten, denn sie sind am meisten betroffen. Ein „neues“, altes Baugesetz soll künftig lokale Behörden ermächtigen, Häuser binnen eines Monats abzureißen.

Zum Lesen meines Artikels bitte hier klicken:

Mein Beitrag bei Suite 101

In Spanien sind es meist Ausländer, die zu den ersten Opfern von Korruption im Immobiliengeschäft werden. Beim jüngsten Fall eines Immobilienskandals aus dem Dorf  Alcaucín in der Region Axarquía bei Málaga stehen 20.000 Häuser im Verdacht, auf illegalem Bauland gebaut worden zu sein. Die Papiere zum Bau der Häuser wurden von lokalen Behörden ausgestellt, die gegen vorherrschende Regeln des Baurechts und Naturschutz verstoßen. In der südspanischen Provinz sind elf Städte und Dörfer in den Fall „Arcos“ verwickelt.

Die spanische Polizei verhaftete am 27. Februar 13 Beamte, Architekten und Mitarbeiter der Provinzverwaltung Málaga, allen voran José Manuel Martín Alba aus Alcaucín und dessen zwei Töchter. Die Vorwürfe lauten Geldwäsche, Urkundenfälschung, Bestechung und Korruption. Im Haus des Bürgermeisters entdeckte die Polizei 160.000 Euro Bargeld unter einer Matratze.

Der Clou: Alba machte 2500 Menschen jahrelang glauben, sie lebten in einem ganz normalen Dorf. Doch eigentlich war die Siedlung bei Alcaucín nur eine Erfindung des gewieften Politikers, der offenbar Steuern und Gemeindeeinnahmen in die eigene Tasche wirtschaftete und sich selbst als Bürgermeister aufstellte. Alba ist Mitglied der sozialistischen regierenden Partei PSOE. Die Parteiführung distanzierte sich von dem Fall und entließ alle in den Skandal verwickelten Parteimitglieder.

Meldungen wie diese sind in Spanien keine Seltenheit. Spaniens Baubranche und Immobilienmarkt gerät immer wieder durch Bestechungsskandale in Verruf.

Warum ist Spanien so korrupt?

fragte deshalb aus aktuellem Anlass Spaniens größte Tageszeitung „El Pais“ provokativ ins Land und löste eine Debatte aus, die nun auch in Großbritannien geführt wird. Schließlich sind es vor allem Briten, die spanische Immobilien kaufen. Im Blog des britischen Economist wird eine interessante dazu Erklärung geliefert. Ich habe den Kommentar ins Deutsche übersetzt und ergänzt:

Mehr Autonomie und Macht für die Regionen
Post-Franco-Zeit förderte die Dezentralisierung von Macht weg von der Regierung in Madrid hin zu regionaler Verwaltung. Die Nationalregierung mischte sich immer weniger in lokale und regionale Belange ein. Für die Gründung von Koalitionen wollte man es sich mit regionalen Parteien nicht verscherzen.

Massiver Baumboom in den 90er Jahren
Seit gut 15 Jahren hat der Bauboom und das starke Wachstum von Urlaubsregionen vor allem an Costa del Sol und Costa del la Luz lokale Behörden mehr Macht und Autorität verschafft. Die hohe Nachfrage hat Bestechung gefördert. Gemeinden haben ehemalige Landwirtschaftsfläche in Bauland umgewandelt und entsprechende Genehmigungen eigenmächtig ausgestellt. Hohe Profite für Bauunternehmer, Architekten und beträchtliche Einnahmen für Gemeinden aus Grundsteuern weckten Bedürfnisse.

„Nestverhalten
Spanier haben wie viele Südeuropäer ein starkes Schutzdenken in Bezug auf die eigene Familie und ihre nächste soziale Einbindung wie den Wohnort. Dieses Nestverhalten ist durch eine klare Hierarchie gegliedert. Geht es gerade in Krisenzeiten um wichtige Entscheidungen wie Finanzen, zählt zuerst die eigene Familie. Der Durchschnittspanier denkt und entscheidet in folgender Reihenfolge:

1.Familie
2.Nachbarschaft
3.Dorf
4.Gemeinde
5.Region
6.Land
7.Staat
8.Europa
9.Rest der Welt

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