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Vancouver im Olympiastau


Die Metropole an der kanadischen Westküste liegt mit den Vorbereitungen für die Winterolympiade 2010 in den letzten Zügen. Kopfzerbrechen bereiten jedoch Probleme wie Infrastruktur, Müllentsorgung und die antiquierten Alkoholgesetze der Provinz British Columbia.

  • Problem Nr. 1:  Infrastruktur

Bereits jetzt sind die Straßen der zwei Millionen-Stadt während des Berufsverkehrs hoffnungslos verstopft. Nur zwei Brücken – die Lions Gate Bridge und die Ironworkers Memorial Bridge – verbinden die Stadtteile North- und West Vancouver mit Downtown und dem Rest der Stadt. Der dreispurige Verkehr auf der Lions Gate Bridge wird durch ein kompliziertes Ampelsystem gesteuert, das zwei Spuren für die jeweils durch höheres Verkehrsaufkommen beanspruchte Straße freigibt. Hier fürchten Anwohner, dass die Brücke während der Olympiade völlig überlastet ist und für den privaten Autoverkehr gesperrt wird. Die Organisatoren setzen darauf, dass sich der Autoverkehr um 30 Prozent reduzieren lässt, damit es an Engpässen wie in Downtown oder den Brücken nicht zum Verkehrschaos kommt. Deshalb werden auf allein acht Straßen in der Innenstadt extra Busspuren für die Olympiade eingerichtet.

  • Problem Nr. 2: Müllentsorgung

Vancouver produziert jährlich etwa 3 bis 4 Millionen Tonnen  Müll, der in den nahe gelegenen Bergen bei Cache Creek und in Delta in so genannten Landfills, ausgeschachteten Gruben, verklappt wird. Im Jahr 2010 ist die Aufnahmekapazität der Müllgrube bei Cache Creek ausgeschöpft. Sprich: es passt nichts mehr hinein.  Neuesten Plänen zufolge sollen dann 600.000 Tonnen Müll per LKW in die USA gekurvt und in den benachbarten Bundesstaaten Oregon oder Washington entsorgt werden. In diesem Sommer wird nun über einen neuen Waste Management Plan der Stadt abgestimmt, der künftig die Abfallprobleme der wachsenden Stadt regeln soll. Bis heute gibt es keine moderne Müllverbrennungsanlage. Andererseits stößt der geplante Bau von sechs Verbrennungsanlagen bereits jetzt bei Umweltschützern auf Kritik. Die Anlagen seien teuer, umweltschädlich und würden nicht dazu beitragen, die Abfallberge zu reduzieren. Im Gegenteil: die Anlagen könnten zu noch höherer Müllproduktion führen. Vancouvers Umweltaktivistin Helen Spiegelman klärt in ihrem Blog zu diesem Thema auf.

Kitsilano, Vancouver. Obdachloser sucht im Müllcontainer nach Lebensmitteln

Vancouvers  Stadtväter planen nun die Einführung eines mechanisch-biologischen Abfallverfahrens, das die Müllberge reduzieren soll. Desweiteren soll die Recycling Rate, die bei derzeit 55 Prozent liegt, auf 70 Prozent bis zum Jahr 2015 angehoben werden. Deutschland gilt übrigens international als  Recyclingweltmeister: 88 Prozent des Papiers, 87 Prozent des Glases, 72 Prozent des Metalls und 67 Prozent der Kunststoffe werden heute in Deutschland wiederverwendet.

Die kanadischen Ureinwohner kritisieren die Praxis der Müllentsorgung in ihrem Gebiet in Cache Creek scharf. Die Umwelt werde zerstört und das Land auf immer verseucht.

  • Problem Nr. 3: Alkoholgesetze

Die strikten Alkoholgesetze der Provinz British Columbiakönnten zum Problem für Besucher der olympischen Spiele werden. Alkohol darf in BC nur an Menschen über 19 Jahre ausgeschenkt werden – für den Kauf in den gesetzlich zugelassenen Geschäften mit so genannter Liquor License ist eine  Photo-ID erforderlich. Auch in Bars und Restaurants kann ein Ausweis mit Lichtbild verlangt werden.

Die Stadt plant, die strengen Alkoholverbote für die Dauer der Olympiade (12. bis 28. Februar 2010) zu lockern und das Trinken in der Öffentlichkeit zu erlauben. Bislang müssen Vancouverianer Geldstrafen der Polizei fürchten, wenn sie außerhalb von Pubs oder Restaurants Bier trinken. Die Gastronomen müssen mit einem Entzug ihrer Ausschanklizenz rechnen, wenn sich trinkende Gäste nicht im eingezäunten Trinkbereich aufhalten.

Biertrinken macht keinen Spass in Vancouver

Bei größeren Volksfesten wie den an der Westküste beliebten Musikfestivals werden deshalb ausgewiesene Trinkbereiche eingezäunt und als „Biergärten“  deklariert. Auch hier gilt: nie ausserhalb des Zaunes trinken. Wer eine angebrochene Wein- oder Bierflasche im Auto mitführt, muss ebenfalls Strafe zahlen. Gastwirte müssen angebrochene Flaschen versiegeln, wenn ihre Gäste die Flasche mit nach Hause nehmen wollen.

Verbotsschild im Pacific Spirit Park Vancouver

Alkohol ist in British Columbia sündhaft teuer. Für eine 750 ml Flasche italienischen oder spanischen Tischweines muss ab 10 Dollar (6 Euro) gezahlt werden, noch teurer sind kanadische Weine (ab 12 bis 120 Dollar). Ein Glas Bier im Restaurant kostet zwischen 4,50 und 8 Dollar, günstiger sind Pitcher, große Bierkrüge, die bis zu 2 Liter fassen und etwa 12 bis 18 Dollar kosten. Vorsicht bei den süß-klebrigen Biersorten wie Honey Lager oder Pale Ale! Hier bereiten nicht nur der Preis, sondern auch der Genuss erhebliche Kopfschmerzen.

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Greenpeace verhüllt illegales Hotel in Südspanien

Als Verhüllungskünstler à la Christo traten Greenpeace-Aktivisten in Spanien auf, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ein illegal gebautes Hotel in schönster Landschaft des Nationalparks Cabo de Gata zu lenken.

Verhüllungsaktion vom 12.Februar 2009.
Greenpeace Verhüllungsaktion des illegalen Hotels Algarrobico vom 12.Februar 2009.

Der Bau des Hotels am Strand von Algarrobico bei Carboneras in Andalusien wurde 2006 von den Umweltschützern erfolgreich gestoppt und der Abriss per Gerichtsentscheid beschlossen. Dennoch steht die Bauruine bis heute unangetastet an der Costa Almeria und Kräne ragen in den Himmel als wäre die Zeit stehen geblieben. Abgerissen wurde das illegal gebaute Hotel also trotz rechtlicher Auflagen bislang nicht.

Am 12. Februar 2009 verhüllten Umweltaktivisten von Greenpeace deshalb die Bauruine mit 18.000 m2 grüner Plane. Ziel war es, zu zeigen, wie die Küstenlandschaft aussehen würde, wenn der Abriss endlich in die Realität umgesetzt wird.

Bauruine eines Hotel am Playa Algarrobico
Im März 2009 wurden die grünen Planen vom Hotel Algarrobico wieder entfernt.

Kurz nach der Verhüllungsaktion rissen Unbekannte die grünen Planen jedoch wieder herunter. Das illegal gebaute Hotel ist offenbar nicht jedem Spanier ein Dorn im Auge. Lokale Politiker aus der benachbarten Gemeinde Carboneras, die den Bau genehmigt hatten, lehnten die Greenpeace-Aktion ab und argumentierten: Die Hälfte der etwa 200 Demonstranten hätte in dem Hotel eine Anstellung finden können, wäre der Bau vollendet worden. Die hohe Arbeitslosigkeit von mehr als 22 Prozent ist eine der größten Sorgen in dieser Region Andalusiens, die vor allem vom Tourismus lebt.