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Probleme mit den Zischlauten

Die englisch korrekte Aussprache des olympischen Austragungsortes Whistler bedeutet für deutsche Fernsehreporter insbesondere vom MDR offenbar Schwerstarbeit. Whistler, was so viel wie Der Pfeifer heisst, wird ohne das harte, deutsche „T“ ausgesprochen. Der Berg heisst so, weil dort der Wind über die Kämme fegt. ssssssss

In der phonetischen Aussprache würde sich Whistler folgendermaßen lesen und natürlich auch sprechen:

[hwis-ler]

Auch der zweite Berg im Olympia-Skigebiet Whistler-Blackcomb ist für Ungeübte ein Zungenbrecher. Blackcomb – locker übersetzt mit Schwarzer Kamm – wird bitte ohne das „B“ im comb ausgesprochen:

[kohm]

Liebe Thüringer Fernsehfritzen, hier gehts zum Aussprachetrainer Leo mit Hörbeispiel:

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Poverty Olympics Vancouver

Der deutsche Journalist Jens Weinreich hat einen sehr hörenswerten Radiobeitrag zur Arbeit des olympischen Widerstands – Olympic Resistance Network (ORN) – in East Vancouver für den Deutschlandfunk produziert. Das ORN organisert derzeit die Poverty Olympics im Stadtteil Burnaby. Es gibt sogar drei Maskottchen – Itchy, die Bettwanze, Chewy, die Ratte und Creepy, die Kakerlake.

Die olympischen Ringe der Armutswinterspiele stellen fünf farbige Handschellen dar. Olympiagegner in Vancouver kritisieren nicht die Sportler als Teilnehmer der Winterspiele, sondern die enorme finanzielle Schieflage, Verschwendung an Steuergeld und die gebrochenen Versprechen.

Die Regierung hatte im Gegenzug zu den Winterspielen versprochen:

  • 3,200 Sozialwohnungen bis 2010 zu schaffen
  • Unterstützung für Bedürftige zu erleichtern, um die enorme Obdachlosigkeit einzudämmen
  • Sozialhilfe um 50% anzuheben

Die Veranstalter haben sogar eine eigene Nationalhymne komponiert:

Oh Canada
Our Home “on” native land
A billion for security
In-stead of building homes
Olympic spending, has gone sky high
While thousands sleep outside.
From far and wide
Oh Canada
Invite the world to see
A quarter million souls,
Poor and freezing cold
Old Canada, where is equal-i-ty?
Oh Canada, we are ashamed of thee.


Radiobeitrag von Jens Weinreich

Presse

Kosten der Winterspiele von Vancouver 2010

Der amerikanische Sportjournalist Dave Zirin hat im Vorgeplänkel der olympischen Winterspiele eine kleine Tournee in Vancouvers Universitäten SFU und UBC gestartet. Eingeladen wurde er von akademischen Olympiakritikern, die mit der Berichterstattung der hiesigen Medien unzufrieden sind. Zirin analysiert die Stimmung in Britisch-Kolumbien als Außenseiter, der sich getraut, laut auszusprechen, was die Kanadier nur missmutig vor sich hin murren. Die Winterspiele werden der Stadt Vancouver eine große Schuldenlast aufbürden, die vom Staat geschultert werden muss. Die Folge: höhere Steuern, steigende Mieten und wachsende Obdachlosigkeit in einer der jetzt schon teuersten Städte der Welt.  Vancouver zählt wegen der immer weiter wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich in Nordamerika zu den Städten mit der höchsten Kriminalitätsrate – New York wurde längst überholt.

Dave Zirin hat in seinem seinem jüngsten Beitrag auf der Website Edge of Sports die die horrenden Kosten von Olympia 2010 zusammengefasst:

  • Ursprüngliche Kosten der öffentlichen Hand $660 Millionen –  jetzt auf $6 Milliarden gestiegen
  • Erste Wirtschaftsprognosen versprachen Einnahmen durch olympische Spiele von $10 Milliarden – Price Waterhouse Coopers neueste Studie belegt: es werden nur  $1 Milliarde an dem Ereignis verdient
  • Das Olympische Dorf wurde $100 Millionen teurer als geplant und muss von Stadt bezahlt werden
  • Kosten für Sicherheit wurden mit $175 Millionen eingeschätzt und liegen nun bei $1 Milliarde

Wegen des anhaltend milden Wetters wird auch die Vorbereitung der Pisten auf dem Hausberg Vancouvers Cypress Mountain immer teurer. Die Ausrichter lassen mittlerweile per Hubschrauber Schneemassen von höher gelegenen Bergen einfliegen. Vancouver erlebt seit Wochen einen Vorfrühling, der die mageren Schneereserven vom November hat schmelzen lassen.

Die Frage ist, ob sportliche Großereignisse in Zeiten der Rezession und immens steigender Kosten wegen Sicherheitsvorkehrungen noch ihren ursprünglichen Sinn erfüllen oder längst zu einem Finanzspielplatz großer Unternehmen geworden sind. Dieses Foto von der Formel 1 im indischen Mumbai sagt doch mehr als tausend Worte:

Vancouver gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt - gilt das nur für Reiche?